Beschreibung
Mit seiner Installation, “WORTE: Die Pressekonferenz” (1) im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck, setzt Muntadas seine kritische Analyse der Medien und ihrer Einflüsse auf das Verhältnis zwischen privaten und öffentlichen Räumen der westlichen Gesellschaft fort. Das Museum, die Kunstgalerie, der Aufsichtsratssitzungssaal, das Stadion, das Einfamilienhaus und das Auto sind einige der archetypischen sozialen Räume, die Muntadas in seinen spärlich prägnanten Installationen analysiert. Gleichzeitig versucht er aufzuzeigen, wie die jeweilige räumliche Situation, besonders in Verbindung mit den verschiedenen Medien, Ideologien anreichern und unterstützen kann.

Mit “WORTE: Die Pressekonferenz” präsentierte Muntadas, wie schon in früheren Arbeiten, einen für unsere Zeit typischen Wirkungsraum der Medien. Die Installation zeigt ein Rednerpult samt Mikrophonen und ruft den Eindruck eines Pressekonferenzraumes hervor, ein Raum, der speziell für die offizielle Bekanntgabe von Informationen gestaltet ist. Journalisten versammeln sich an diesem Ort, um als Teil eines demokratischen Distributionssystems Nachrichten zu empfangen und zu interpretieren. (2)

In der Installation wird das (leere) Rednerpult mit seinen vielen Mikrophonen im kreisförmigen Scheinwerferlicht zu einem eindrucksvollen statischen Bild. Gegenüber am anderen Ende des langen Raumes, den ein Läufer aus Zeitungen durchquert, flickert ein Fernseher. Sein Ton vermischt sich mit der Komposition, die aus zwei in den Ecken des Raumes plazierten Lautsprechern dringt. Wie viele der Installationen von Antoni Muntadas ist auch diese ein work in progress. Nur unmerklich verändert sich die Installation je nach dem Land, in dem sie gezeigt wird: der Zeitungsteppich besteht aus Exemplaren der landesüblichen Presse. Dem Videoband mit aus internationalen Archiven stammenden Aufnahmen von Rednern an mikrofonbestückten Pulten werden solche aus der jeweiligen nationalen Geschichte hinzugefügt. Die zur Installation gehörende Toncollage bekommt durch Aufnahmen von Reden aus den jeweiligen nationalen Rundfunkarchiven Bezüge zur jeweils eigenen Geschichte der örtlichen Besucher.

Im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum kam diese/r BesucherIn zunächst in einen Vorraum mit zwei betretbaren schneckenartigen Holzkonstruktionen. In deren Inneren wurden er/sie mit je einem Image aus den Muntadas-Arbeiten “Stadium” bzw. “Home, Where Is Home” konfrontiert. Dazu erklingen die zu diesen Arbeiten gehörenden CDs, die in der Endgültigkeit ihrer Komposition die zur Kunstgeschichte gewordene Form der beiden zitierten Werke betonte.

Ein Poster zu der Installation, auf dessen Rückseite nähere Daten und Informationen zum Werk Antoni Muntadas zu finden sind (deutsch/englisch) ist bei TRANSIT erhältlich.


aus TRANSIT#2
Materialien zu einer Kunst im elektronischen Raum

  • Index

  • Romana Froeis: Antoni Muntadas - Worte: Die Pressekonferenz

  • Heidi Grundmann: Zur Verwendung des Sounds in den Installationen von Antoni Muntadas

  • Antoni Muntadas Biographie

  • Bildmaterial

  • Skizzen


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    (1)
    1991 unter dem Titel “WORDS - The Press Conference Room” erstmals von Juni - Sept. im Indianapolis Museum of Art zu sehen. Die zweite Präsentation erfolgte 1992 in der Münchner Orangerie von Nov. bis Dez., hier “Worte: Der Pressekonferenz Raum” betitelt.
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    (2)
    vgl.: Grundmann, Heidi, Zur Verwendung des Sounds in den Installationen von Antoni Muntadas, Roberts, Catsou, Antoni Muntadas - Words: The Press Conference Room, in: TRANSIT (Hrsg), Folder zur Ausstellung: Muntadas, WORTE: Die Pressekonferenz, Innsbruck 1993
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