kurzbeschreibungen
Ausgangsmaterial: Tonbandaufnahmen von einer Reise nach Nordindien im April 1991. Die Aufnahmen entstanden in der Großstadt, auf dem Land, im Hotel, im Taxi, in Tempeln, bei Feiern, bei einer Demonstration, in einer Schule, im Theater, im Wald, am Wasser, etc..

Idee: Die Basis jedes der 26 ca. eineinhalbminütigen Hörstücke (die gemeinsam wiederum ein Hörstück ergeben) bildet die “unmanipulierte dokumentarische Aufnahme” einer bestimmten Situation (z.B. im Taxi, im Hotel, am Wasser, ...). Von diesem Basismaterial wird eine kurze Sequenz (etwa 1-2 Sekunden) gesampelt, eine Schleife gezogen und digital bearbeitet/verfremdet. Der so entstande Sound wird in die Originalaufnahme eingeblendet, sodaß jedes Stück mit der Originalaufnahme beginnt und mit der Bearbeitung endet.

“Durch das Zusammenkommen der zwei akustischen Ereignisse “unmanipulierte dokumentarische Aufnahme” und daraus “manipulierter Sound” könnte sich ein interessanter Kontrast ergeben, der eine Analogie finden könnte im Kontrast zwischen der Wahrnehmung einer Situation und der schon etwas fernen Erinnerung daran.” (Ewald Spiss)

“Was bezweckt wurde, war sozusagen eine ungenaue, 
durch verschiedene Einflüsse manipulierte, 
um einen Bruchteil kreisende Version zu schaffen, 
wie sie ihre Analogie in der schon etwas verblaßten 
Erinnerung an eine viel komplexere Situation 
finden könnte.“
Ewald Spiss folgte im Frühling 1991 einer Einladung nach Indien. “Da mich Geisteshaltungen interessieren und im speziellen die Situation und Kultur der Tibeter fasziniert, nützte ich die Gelegenheit, um das Leben dieser Menschen in ihrem Exil in Nordindien für kurze Zeit zu erleben.” (Ewald Spiss)

Mit einem Kassettenrecorder entstanden kurze Tonnotizen. Dabei richtete Ewald Spiss seine Aufmerksamkeit nicht auf Spektakuläres (im Sinne akustischer Ansichtskarten), sondern in erster Linie auf beiläufige Ereignisse - alltägliche und besondere Begebenheiten, die sich zufällig ergaben. Die Aufnahmen entstanden manchmal einfach dadurch, daß Spiss das Mikrofon aus dem Fenster des Hotelzimmers hängte. Bei anderen Gelegenheiten wurde das Aufnahmegerät in der Absicht eine bestimmte Situation zu “notieren”, mitgetragen (Schule, Theater, Taxi, Tempel ...). Leben, wie es sich im Augenblick akustisch manifestierte, wurde auf diese Art festgehalten.

“Eine Anzahl von etwa einminütigen Aufnahmen auszuwählen, aneinanderzureihen, Bruchstücke dieser Notizen mittels Sampler digital zu bearbeiten und mit der Originalaufnahme zu verbinden, ihr gegenüberzustellen, war dann der nächste Schritt. Was damit bezweckt wurde, war sozusagen eine ungenaue, durch verschiedene Einflüsse manipulierte, um einen Bruchteil kreisende Version zu schaffen, wie sie ihre Analogie in der schon etwas verblaßten Erinnerung an eine viel komplexere Situation finden könnte.” (Ewald Spiss)


aus TRANSIT#1, Materialien zu einer Kunst im elektronischen Raum

  • notizen aus nord-indien... (index)

  • benennung der orginalaufnahmen

  • thomas feuerstein: notationen am laufenden band

  • biographie ewald spiss

  • impression


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