heidi grundmann: vorwort
Im Oktober 1991 fand im Museum Moderner Kunst in Wien und gleichzeitig im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck ein Symposium unter dem Titel “Die Geometrie des Schweigens. Zur Theorie und Praxis einer Kunst im elektronischen Raum. Am Beispiel der Radiokunst” statt. Die beiden Museen waren via Ton- und Bildleitung miteinander verbunden. Mitveranstalter war u.a. der ORF mit dem Landesstudio Tirol und der Sendung “Kunstradio”. Aus dieser für die Projekte des Symposiums sehr fruchtbaren Konstellation entwickelte sich bald nach der Veranstaltung in Innsbruck ein Verein mit der Bezeichnung TRANSIT und der etwas umständlichen, aber die Zielsetzung genau umreissenden Beschreibung “Verein zur Realisierung künstlerischer Projekte im elektronischen Raum, insbesondere im Raum der Massenmedien Radio und Fernsehen”.

TRANSIT knüpft damit an eine Medienkunstpraxis an, die gerade in Österreich seit den späten 70er Jahren eine ausgeprägte Tradition hat: seit damals sind hier immer wieder Arbeiten zum Bereich “Kunst und Telekommunikation” entstanden. Radio, Fernsehen, Amateurfunk, BTX, Fax, Slow Scan TV, Videokonferenzsysteme, E-Mail und Bildtelefon wurden zum Gegenstand und Ort von Kunst.

Die zunehmende Digitalisierung verändert inzwischen nicht nur die Kommunikationsmedien selbst, sondern auch den Kunstbegriff und das Selbstverständnis derer, die in diesen Systemen Kunst machen. Werk, Original, Autor, Copyright - diese Begriffe werden nicht nur in der Medientheorie in Frage gestellt, sondern in der und durch die künstlerische Praxis. Diese wiederum ist zunehmend durch die transdisziplinäre Zusammenarbeit von KünstlerInnen verschiedener Bereiche untereinander sowie mit Spezialisten aus anderen Berufen (Techniker, Wissenschafter) gekennzeichnet. TRANSIT hat deshalb von Anfang an versucht, sowohl LiteratInnen wie auch bildende KünstlerInnen und KomponistInnen anzusprechen. Zu den Mitgliedern des Vereins TRANSIT zählen KunsthistorikerInnen, Kultur-JournalistInnen und vor allem auch Techniker, ohne deren Kreativität eine Kunst im elektronischen Raum nicht realisierbar wäre.

Im März 1992 fand im ORF Landesstudio Tirol ein Workshop statt, zu dem 15 österreichische AutorInnen aller Sparten eingeladen waren. (Die TeilnehmerInnen waren: Hans Augustin, Manuela Burghard, Bernhard Kathan, Reinhold Leitner, Lydia Lindner, Helmut Mark, Radio SubCom (Oil Blo, Armin Medosch), Winfried Ritsch, Gunter Schneider, Raoul Schrott, Chris und Rens Veltman, Haimo Wisser, Günther Zechberger.) Zwei Tage lang diskutierten die TeilnehmerInnen anhand von Impulsreferaten und Medienkunstbeispielen von Gottfried Bechtold, Ernst Caramelle und Kathy Rae Huffman die unterschiedlichsten Aspekte einer Kunst im elektronischen Raum. In den darauf folgenden Wochen hatten alle Teilnehmer Gelegenheit einschlägige Projektentwürfe zu erarbeiten. Sehr bald schon trafen auch Vorschläge von solchen Autoren und AutorInnen bei TRANSIT ein, die nicht am Workshop teilgenommen hatten; und in der Zwischenzeit haben auch ausländische KünstlerInnen Innsbruck besucht, um Projekte zu entwerfen bzw. zu realisieren.

In einem Projekt des Workshop-Teilnehmers Helmut Mark wurde im Sommer 92 das TRANSIT Logo für die Printmedien sowie für das TV entwickelt, wohingegen Josef Klammer das Radiologo entwarf.

Ab 1.Oktober begann schließlich - z.T. mit Arbeiten von WorkshopteilnehmerInnen - die Serie von TRANSIT Projekten, die in loser Folge, aber kontinuierlich weitergeführt werden soll: TRANSIT soll kein Festival sein, es geht vielmehr darum, KünstlerInnen, TheoretikerInnen und nicht zuletzt dem Publikum eine langfristige Auseinandersetzung mit der spezifischen Problematik einer Kunst im elektronischen/digitalen Raum zu ermöglichen.

TRANSIT hat sich vorgenommen, alle Projekte vom Beginn bis zu ihrer Realisierung von KunsthistorikerInnen dokumentieren und kommentieren zu lassen, um jener Verfälschung der Geschichte dieser Art von Kunst entgegenzuwirken, die einerseits durch die Flüchtigkeit der Medien und andererseits durch das Anlegen eines häufig nicht adäquaten Werkbegriffes an das letzte Stadium eines Projektes zustandekommt. Außerdem soll eine Datenbank zur bisherigen Entwicklung des Bereiches “Kunst und Telekommunikation” in Österreich angelegt werden. Das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung hat TRANSIT dazu einen Pilot-Forschungsauftrag erteilt, an dem die AutorInnen dieser Publikation beteiligt sind.



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