o.t.
dokumentation
Sendeprotokoll 5.11.1992, Ö1 Kunstradio


Sprecher (Bernhard Kathan):

“ 11°, 14 ‘, 30 ‘’ östlich Greenwich, 47°, 12’, 7’’ nördlicher Breite, 2000 Meter Seehöhe. 21.September 1992, 7 Uhr.

In einem kleinen Bergsee steht ein weißes Zelt, ein Tempelchen für die Götter, die Watte in den Ohren haben, die schlafen, für die Götter, die es nicht gibt.

Die Sonne ist noch nicht aufgegangen. Aber es ist hell. In den Tälern liegt Dunst.

Man sagt, der Pfeil fliegt durch die Luft, um sich mit Sonne zu füllen, aber am Zielort angekommen, hat sich das Transportierte verändert.”

[Schnitt. 1 ‘ Lärm aus einer Fabrik. Lautstärke gleichbleibend.]


Sprecher:

“ 11°, 14 ‘, 30 ‘’ östlich Greenwich, 47°, 12’, 7’’ nördlicher Breite, 2000 Meter Seehöhe. 21.September 1992, 11 Uhr.

In einem kleinen Bergsee steht ein weißes Zelt, ein Tempelchen für die Götter, die Watte in den Ohren haben, die schlafen, für die Götter, die es nicht gibt.

Die Sonne hat die Luft erwärmt.

Ein Bauer in einer blauen Arbeitshose raucht eine Zigarette, zieht seine Hose aus und legt sich in die Sonne.

Man sagt, der Pfeil fliegt durch die Luft, um sich mit Sonne zu füllen, aber am Zielort angekommen, hat sich das Transportierte verändert.”

[Schnitt. 1 ‘ Lärm aus einer Großkantine.]


Sprecher:

“ 11°, 14 ‘, 30 ‘’ östlich Greenwich, 47°, 12’, 7’’ nördlicher Breite, 2000 Meter Seehöhe. 21.September 1992, 15 Uhr.

In einem kleinen Bergsee steht ein weißes Zelt, ein Tempelchen für die Götter, die Watte in den Ohren haben, die schlafen, für die Götter, die es nicht gibt

Manchmal ist freilich das Surren ihrer Federn in der Luft zu hören. Vom Westen her ziehen Wolken auf.

Man sagt, der Pfeil fliegt durch die Luft, um sich mit Sonne zu füllen, aber am Zielort angekommen, hat sich das Transportierte verändert.”

[Schnitt. 1 ‘ Lärm aus einer Bahnhofshalle.]


Sprecher:

“ 11°, 14 ‘, 30 ‘’ östlich Greenwich, 47°, 12’, 7’’ nördlicher Breite, 2000 Meter Seehöhe. 21.September 1992, 19 Uhr.

In einem kleinen Bergsee steht ein weißes Zelt, ein Tempelchen für die Götter, die Watte in den Ohren haben, die schlafen, für die Götter, die es nicht gibt.

Die Sonne ist verschwunden. In der Kälte wird man sich des Windes bewußt. Aber in der Landschaft fehlt jede Bewegung.

Man sagt, der Pfeil fliegt durch die Luft, um sich mit Sonne zu füllen, aber am Zielort angekommen, hat sich das Transportierte verändert.”

[Schnitt. 1 ‘ Lärm aus einer Schweineschlächterei.]

[Ende]


aus TRANSIT#1
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