günter zechberger:
wiederholbares - nichtwiederholbares

Gedanken zur Live Übertragung am 15.Okt.1992 und zur späteren Sendung vom 29. Okt. 1992


Bei der Liveübertragung der "Bacchacaglia" handelt es sich um ein einmaliges, unwiederbringliches musikalisches Ereignis. Das Stück ist bei Live-Aufführungen - und dies ist ein wichtiger Aspekt der kompositorischen Idee - permanenten, real meßbaren Wandlungen unterworfen.

Das Werk lebt von der Qualität des "Hier und Jetzt", der Sensibilität und Spontaneität der Musiker und deren funktionierenden Verständigung untereinander.

Der Hörer ist in besonderem Maße aktiv in das Geschehen eingebunden - Panoramaregelung, Dynamikregelung etc.. Räume werden als etwas Begreifbares, Meßbares erfahren.

Die Radioproduktion ist das Dokumentieren einer einzigen Version der "Bacchacaglia" von Günther Zechberger. Sie ist beliebig oft wiederholbar, der Anspruch auf Einmaligkeit geht somit verloren.

Die oben genannten Qualitäten der Musiker sind nun Vorbedingung, das "Hier und Jetzt" ist unbedeutend, denn das Qualitätsaugenmerk richtet sich auf die Aufnahme- und die Sendetechnik.

Der Hörer ist nun nicht mehr aktiv in das Geschehen miteingebunden, sondern wird jetzt mit dem Werk konfrontiert und alleingelassen. Dennoch ist auch in diesem Falle die Komposition permanenten Wandlungen ausgesetzt - nun aber nicht mehr objektiv meßbar! Denn die Veränderungen finden jetzt - abhängig von der jeweiligen Konstellation und der momentanen psychischen Struktur und Wahrnehmungsfähigkeit des Rezipierenden - im Hörer selbst statt.

So bleibt also auch die Rundfunkproduktion - deren Sinn ja die Wiederholbarkeit ist - ein einmaliges Ereignis, wenn man sie in den Raum "Bewußtsein - Unterbewußtsein - Wahrnehmung" des Hörers verlegt.

Dezember 1992 Günter Zechberger


aus TRANSIT#1 Materialien zu einer Kunst im elektronischen Raum

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  • "bacchacaglia" - real audio

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  • biographie günter zechberger

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