Konzept
DAS KONZEPT:


Hervorgegangen ist dieses Projekt aus einer Idee, die im Mai 1992 geboren wurde. Diese bezog sich auf fiktive Personenrufe - es handelt sich bei diesen um die Namen vergessener Opfer des Nationalsozialistischen Regimes - die im öffentlichen Raum, über die Lautsprecheranlagen der Wiener Verkehrsbetriebe, ausgestrahlt werden sollten.

Heidi Grundmann vom ORF Kunstradio ermunterte uns schließlich, diese Idee für den Verein TRANSIT und bezogen auf die Massenmedien Radio und Fernsehen, weiterzuentwickeln. Daraus resultierte im Juni 1992 ein erstes Konzept für eine multimediale Aktion. Es sah Einschaltungen in Radio und Fernsehen, die im alltäglichen Sendeablauf eingebettet sein sollten, elektronische Aktionen, sowie Plakate in Bahnhöfen, Flughäfen etc. vor. Es war uns ein Anliegen, daß der Rezipient die gerufenen Personen nicht sofort als Opfer des Nazionalsozialistischen Regimes “erkannte”, dies sollte ihm erst nach und nach bei genauerem Hinhören/-sehen klar werden. - Das Verschwimmen von Realität und Fiktion als beabsichtigter Effekt.

Der gezielte Eingriff in einen medialen Vorgang war für uns genauso so wesentlich, wie die Arbeit mit dem aufgefundenen Material. Dabei mußte, da es sich um ein künstlerisches Projekt handelte, einerseits eine Abgrenzung zu einer rein historischen Aufarbeitung gezogen werden, andererseits sollte die Aktion auf keinen Fall als didaktisch bzw. politisch-moralisch mißverstanden werden können.


VORBEREITUNGEN / ERWEITERTES KONZEPT:


Erste Überlegungen über die mögliche Form der Einschaltungen sahen eine Art “Steckbrief” unter Einbeziehung von Bildmaterial zu den einzelnen Personen vor, doch wurde uns gleichzeitig auch die Problematik eines solchen Vorgehens klar. Eine andere Form, eine “künstlerische Verschlüsselung” der Personendaten mußte also gefunden werden.

Wiederum durch Heidi Grundmann, die sich noch an die Verlesung der Rotkreuzlisten (1) im Radio erinnern konnte, kam die entscheidende Anregung für die Form der “Personenrufe”. Mit diesen Listen war ein Modell gefunden, das einerseits den direkten Bezug zu den Massenmedien hatte, und andererseits die Möglichkeiten der Verschlüsselung, der Irritation, der Fiktion verstärkte.

Der nächste Arbeitsschritt war die Adaption dieses Listen-Modells auf die verschiedenen Medien (Radio- und TV- Einschaltungen, Plakate, Computernetzwerk und Bildschirmtext), in denen die Aktion stattfinden sollte. Zur gleichen Zeit erfolgte, sowohl in der einschlägigen Fachliteratur (siehe Literaturverzeichnis) als auch im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, die Recherche nach geeigneten Personendaten.

Da es keine systematische Erfassung von Opfern gibt mußten Namen und biographische Daten mühsam aus Gerichtsakten, Berichten, aus Aufzeichnungen von Institutionen und Vereinigungen wie Gewerkschaften, Parteien, Bundesbahnen etc. herausgesucht und exzerpiert werden. Auf diese Weise wurden 160 Personen, zum Teil mit Adressen und Datum des Verschwindens bzw. der Deportation oder Emigration, ausgewählt. (2) Die Arbeit mit dem Material, die angewandte Spurensuche, war ein elementarer Teil des Projektes.


aus TRANSIT#2
Materialien zu einer Kunst im elektronischen Raum

  • Personenrufe index

  • Durchführung

  • Literatur

  • Thomas Feuerstein: Anmerkungen

  • Biographien

  • Bekanntmachung

  • Bildmaterial

  • Emblematisches Konnektiv...symbolischer Korrelation

  • Personenrufe bei ORF Kunstradio


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    (1) Nach dem 2. Weltkrieg wurden im Radio lange Listen mit Namen von Personen, die im oder in den Wirren nach dem Krieg verschwanden, verlesen. Viele ältere Menschen erinnern sich noch heute daran. Dieser Aspekt des Wiedererkennens einer existierenden Form spielte eine wichtige Rolle.
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    (2) Hierbei wurden vor allem unbekannte, anonyme Personen ausgewählt wiewohl einige “prominente” Namen eingestreut, um den Erkennungswert zu steigern (z.B. Franz Jägerstätter).
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